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Allgäu | Genusswandern – und die Frage, wie viel Käsespätzle gesund sind

9. März 2013
Genusswandern im Allgäu

Nachdem wir Wallygustos nicht nur gerne schlemmen, sondern auch gerne draußen unterwegs sind, verschlug es uns an einem Wochenende im Februar zum Schneeschuhwandern ins Allgäu. Dabei haben wir uns einen „Wellness-Rundumschlag“ verpasst. Und was soll man sagen? Einfach schee war’s!

Nach einer Theorie leitet sich der Name Allgäu vom althochdeutschen „alb“ (Berg, Bergwiese) und mittelhochdeutschen „göu“ ab, was so viel wie Landschaft, Gegend, im übertragenen Sinn auch Herrschaftsbereich bedeutet. Eine andere These geht davon aus, dass mit „gäu“ nicht der „Gau“ gemeint ist, sondern dass die zweite Silbe von Ge-Äu kommt, also für mehrere Auen steht (analog wie mehrere Berge zum Gebirge werden) (Quelle: Wikipedia). In diesem Fall wäre die Bedeutung etwa mit „bergige Landschaft mit viel Wasser und Wiesen“ anzugeben, was auf die Gegend rum um Sonthofen ohne Weiteres zutrifft. Die sanft geschwungenen Berge bieten ein traumhaftes Panorama, vor allem jetzt, da sie Schnee bedeckt sind. Man kommt sich ein bisschen vor wie in einer Märchenwelt.

Unser „Basislager“ schlugen wir im Gästehaus Schlegel in Gunzesried auf. Die Schlegels sind sehr nett und die Zimmer sind einfach, aber sehr sauber. Das Frühstücksbuffet ist übersichtlich, aber es gibt Käse, Müsli und Frühstückseier mit Pudelmützen. 🙂 Mehr Infos und eine Email-Adresse für die Zimmerreservierung gibt es auf www.gaestehaus-schlegel.de.

1. Tag

Unsere erste Wanderung im Allgäu führte uns und unsere Schlitten von der Gunzesrieder Säge zur Rappengeschwendalpe. Der Weg ist gut ausgeschildert und die Alpe ist nach gut einer Stunde erreicht. Eigentlich war es mehr ein Spaziergang, aber da es stellenweise ziemlich steil nach oben ging, kamen wir doch ganz schön ins Schnaufen. Der Begriff „Alpe“ stammt übrigens aus dem alemannischen Sprachraum und bezeichnet eine Alm (bairisch-österreichisch). Die Rappengschwendalpe ist nur im Winter geöffnet. Man konnte (nur) im Vorraum riechen, dass sie im Sommer das Zuhause von Jungvieh ist. Die Winterhütte ist schlicht und urig ausgestattet: Von der Decke hängen Gasleuchten und an den Wänden alte Bilder. Schön ist auch der Holzhofen, der sich redlich bemüht den kleinen Gastraum zu erwärmen. Die Speisekarte ist übersichtlich, denn man bekommt nur kalte Speisen in Form von Brotzeittellern und Käsesalat und Suppen. Alles wird aus heimischen Produkten hergestellt. Die Kuchenauswahl war bei unserem Besuch schon um einiges beeindruckender! Wir blieben aber trotzdem beim „Hüttenklassiker“, dem Käsekuchen. Die Wahl haben wir nicht bereut, auch wenn später andere sehr lecker aussehende Kuchenstücke an uns vorbeigetragen wurden. Nach einer Tasse passablen Kaffee ging es mit dem Schlitten wieder Richtung Tal.

Auf dem Weg zum Parkplatz machten wir aber noch einen Einkehrschwung in die Buhls Alpe. Das Ding ist so was von 80ziger, das gibt es gar nicht. Wenn man mal wieder Resopaltische und Meterpils-Bretter sehen möchte, sollte man hier einkehren! Die Wirtin ist super nett und sehr aufmerksam. Da wir nur kurz auf ein Getränke hier verweilten, gibt es hierzu erstmal nicht mehr zu berichten.

Genusswandern im Allgäu

Gunzensried ist wirklich ein sehr lauschiger, kleiner Ort. Der Nachteil daran ist, dass es nur eine Wirtschaft gibt und die hatte leider keine wirklich ansprechenden vegetarischen Gerichte auf der Karte bzw. den Tag mit den Käsespätzlen hatten wir knapp verpasst. Gott sei Dank hatten wir nach unseer Wanderung in Gunzensried-Säge das „Kamineck“ entdeckt. Dort kehrten wir ein und labten uns an einer großen Portion Käsespätzle. Besonders lecker war der Beilagensalat, denn der Essig war sehr fruchtig. Ich vermute, es war Himbeeressig. Die Einrichtung ist eher zweckmüssig, und mir hängen ein paar zu viele ausgestopfte Tiere an den Wänden. Man muss es schon mögen, von Glasaugen angestarrt zu werden. Aber die Bedienung war sehr nett und aufmerksam, so dass wir dann doch fast ein schlechtes Gewissen hatten, weil wir sehr schnell wieder aufbrachen. Wir waren einfach so kaputt vom Schlittenfahren, dass wir nur noch in unser Bett wollten.

Genusswandern im Allgäu

2. Tag

Am nächsten Tag wanderten wir zum Sonthofener Hof. Die Alpe liegt auf 1147 und wird an den Winterwochenenden vom Skiclub Sonthofen bewirtet. Leider gab’s hier keinen Käsesalat, so dass wir uns bei ein dick mit Bergkäse belegtes Brot bestellten. So ein liebevoll dekoriertes Käsebrot gibt’s selten: Salzbrezeln, Zwiebelringe und ordentlich Paprika machen schon was her! Am Nachbartisch saß eine Horde „Kluftingers“ und erfreute sich an der Brätknödelsuppe. Wirklich ein sehr gemütliche Hütte, die man auf keinen Fall auslassen sollte! Schade war nur, dass die ganzen Ziegen und Esel im Winterurlaub waren. Immerhin konnten wir sie auf den Bildern vor der Wirtsstube begutachten. Aber auch die schönste Einkehr hat mal ein Ende und weiter ging’s – diesmal mit den Schneeschuhen. Das Wetter war uns an diesem Tag nicht so wohlgesonnen, es war bewölkt und schneite ein wenig.

Und so war es auch nicht weiter schlimm, dass wir um späten Nachmittag schon wieder im Tal und auf dem Weg zum Saunieren waren. In Sonthofen geht man hierfür in’s Wonnemar. Natürlich hat man hier nicht soviel Auswahl an Saunen wie in der Therme Erding, aber wer schafft in 4 Stunden schon mehr als 3 oder 4 Saunagänge? Doof fanden wir nur, dass es sehr wenig Ruheliegen gibt. Wir saßen daher die meiste Zeit auf einem relativ ungemütlichen Ratanbänkchen. Und dann war auch noch die Batterie von meinem Kindle leer! Das kommt davon, wenn man sich auf dieses neumodische Zeug verlässt! 😉

Sauber und wohlig erschöpft mussten wir dann feststellen, dass die meisten traditionellen Wirtshäuser in Sonthofen am Sonntagabend geschlossen haben. Die Not trieb uns schließlich in das Wirtshaus Anno 1898, welches sich als echter Glücksgriff entpuppte. Was von außen eher wie ein Allgäuer „Wiener Wald“ mit Straßenverkauf aussieht, ist eine lässige Kneipe mit ansprechender Speisekarte. Hier haben wir es dann mit dem Käse ein bisschen übertrieben: Käsesuppe UND Käsespätzle sind dann doch ein wenig zu viel des Guten. Aber wer kann denn wissen, dass man für € 3,20 einen riesen Teller Suppe bekommt?!

Lecker war’s auf alle Fälle, bereut haben wir unser Gier also nicht. Zumindest nicht gleich. Was danach auf dem Zimmer dank des vielen warmen Käses passierte, muss ich hier nicht erläutern, oder? 🙂

Genusswandern im Allgäu

3. Tag

Am letzten Tag besuchten wir erstmal die Sennerei in Gunzensried. Bei unserem 1. Versuch am Tag zuvor stand ein Dutzend Leute in der Schlange, heute waren es glücklicherweise nur zwei. Als Käseliebhaber hat man hier die Qual der Wahl. Wirklich empfehlenswert sind der 12 Monate gereifte Bergkäse und der Vanillequark. Der Bärlauchkäse war zwar nicht schlecht, aber ein bisschen langweilig.

Dann liefen mit den Schneeschuhen von Gunzesried zur Höllritzeralpe Alpe. Die Alpe war nicht bewirtschaftet und auch ansonsten gab es auf der Tour leider keine Einkehrmöglicheiten. Dafür war die Tour einfach gigantisch und das Wetter traumhaft. Ich sag nur „Kaiserwetter“. Unser Plackerei wurde mit unglaublichen Ausblicken belohnt.

Da die „Buhls Alpe“ nicht weit weg vom Parkplatz liegt, kehrten wir dort ein. Mit dem uns eigenen Händchen für „gutes“ Timing verpassten wir die warme Küche um 10 Minuten. Dieser Tag sollte also ohne Käsepätzle enden. Dafür gönnten wir uns Kaffee und Apfelstrudel. Da wir Montagmittag die einzigen Gäste waren, mussten wir auch nicht lange warten. Wenn wir mal wieder hier vorbeikommen sollten, würde ich allerdings nur den Strudel nehmen. Der Kaffee war nicht so doll!

Genusswandern im Allgäu

Fazit

Ein Kurzurlaub im Allgäu ist toll, denn nicht nur das Essen ist einen Besuch wert! Die Landschaft ist einfach unglaublich schön und man hat das Gefühl, ganz weit weg vom Alltag zu sein. Wir Wallygustos kommen auf jeden Fall im Sommer nochmal hierher. Es gibt einfach noch zu viele Wanderungen in diesen tollen Bergen, die wir noch machen müssen! Und wie viele Käsespätzle nun gesund sind? Keine Ahnung!

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